Navbutton EndrauteNavbutton Home1Navbutton EndrauteNavbutton Indianer1Navbutton EndrauteNavbutton Reisen1Navbutton EndrauteNavbutton KreativesNavbutton EndrauteNavbutton Webdesign1Navbutton EndrauteNavbutton ShopNavbutton EndrauteNavbutton Kontakt1Navbutton Endraute

Futelgrafik

Dass die Zeiten des Wilden Westens vorbei sind, ist ja nun hinlänglich bekannt. Aber wenigstens mal in das Land reisen, wollte ich dann doch immer mal. Da traf es sich ganz gut, dass ich ein entsprechendes Angebot in Ontario, Kanada, fand. Und wenn man schon mal die Gelegenheit hat, möchte man natürlich auch möglichst viel sehen und erleben. Also entschloss ich mich zu einer Rundreise.

Karte Ontario mit transparenten Staaten
zum Vergrössern bitte auf “Rundtour” klicken

Feuer im Ouendat Village2007 machte ich mich auf den Weg  und fuhr von Toronto aus zunächst nordwärts nach Midland, einem kleinen  Ort am Südrand der Georgian Bay. Eigentlich gibt es dort für Indianerfreunde zwei sehr interessante Orte, zum einen das Huronia  Museum & Ouendat Village, zum anderen die ehemalige Missionsstation  Sainte-Marie among the Hurons. Vor allem auf Ouendat Village hatte ich  mich sehr gefreut, da dort ein Langhausdorf nachgebaut wurde und man  einen sehr guten Eindruck von traditionellem Indianerleben in dieser Gegend gewinnen kann. Leider war etwa zwei Wochen vor meiner Ankunft  eben dieses Langhausdorf einer Brandstiftung zum Opfer gefallen und ich  konnte mich nur auf die Besichtigung des Huronia Museums beschränken.  Dieses Museum ist zwar sehr informativ, hat aber bei weitem nicht das Flair, was ich mir von dem Langhausdorf versprochen hatte.

Dafür wurden meine Erwartungen bei Saint-Marie among the Hurons deutlich übertroffen. Ursprünglich wurde diese Missionsstation 1639 von französischen Jesuiten im Land der Huronen gegründet und diente den  Missionaren als Hauptquartier und den christianisierten Indianern als eine Art Zufluchtsort. Als die Irokesen anfingen die Huronen  anzugreifen, brannten die Jesuiten die Missionsstation 1649 lieber nieder, als sie den Irokesen in die Hände fallen zu lassen. Etwa drei Jahrhunderte später haben dann Archäologen ihre historischen  Nachforschungen und Ausgrabungen begonnen und Saint-Marie among the  Hurons wurde möglichst originalgetreu am ursprünglichen Standort wieder  aufgebaut.

Saint-Marie among the Hurons

Das Gelände hier ist erstaunlich groß und teilt sich in verschiedene  Bereiche. In einem Bereich lebten vor allem die Jesuiten und Soldaten,  in einem anderen eher die unteren Bediensteten und ein wenig abseits war der Bereich der Indianer. Auch wenn die Einwohnerzahlen je nach Saison schwankten, geht man heute davon aus, dass gleichzeitig mehr als 60  Europäer dort lebten und gerade in den Jahren 1648/49 ca. 3000 Huronen  in der Missionsstation Schutz suchten. Alle diese Bereiche kann man  selbst erkunden, wobei Angestellte in möglichst originalgetreuer Kleidung auch jederzeit gerne Auskunft zu allen aufkommenden Fragen  geben. Teilweise kann man sie auch dabei beobachten, wie sie die  gleichen Tätigkeiten ausüben, die die Bewohner im 17. Jahrhundert verrichteten. Die Gebäude sowohl der Europäer als auch die im  indianischen Bereich sind auch möglichst originalgetreu eingerichtet, so dass man sich wirklich gut vorstellen kann, wie das Leben in dieser  Missionsstation ausgesehen hat.

Saint-Marie among the Hurons 1Saint-Marie among the Hurons 2Saint-Marie among the Hurons 3

 

Von dort aus bin ich noch weiter nach Norden gefahren, bis ich die nordwestliche Spitze des Algonquin Provincial Parks erreicht hatte. Hier habe ich dann eine dreitägige Kanutour gemacht. Dieser Algonquin Provicial Park ist ein Naturschutzgebiet, in dem zwar Motorboote nicht verboten sind, da man aber die größeren Seen, auf denen solche Boote fahren könnten, nur über kleinere Wasserwege erreichen kann, bei denen die Boote auch des öfteren über Land getragen werden müssen, findet man Motorboote eher selten und wenn, dann sind es recht kleine Boote. Viel häufiger sieht man Kanus oder Kajaks. Diese sind deutlich leichter mehr oder weniger kurze Strecken über Land zu tragen und machen auch bei weitem weniger Lärm, so dass man den Algonquin Provincial Park in herrlicher Ruhe geniessen kann. Leider war ich genau zur “Bug Season” da und wir sind von  Mücken und ähnlichem Getier ziemlich zerstochen worden. Da hat auch das  Insektenmittel nicht mehr viel genutzt, weil dieses durch immer wieder auftretende kurze Regenschauer schnell abgespült wurde. Immerhin war es  relativ warm, so dass das Nasswerden durch den Regen nicht wirklich  gestört hat. Und sobald der Regen aufhörte, war man auch erstaunlich  schnell wieder trocken. Am zweiten Tag war dann sogar strahlender  Sonnenschein und es kam ein bisschen Wind auf. Deshalb waren an diesem  Tag so gut wie gar keine Mücken unterwegs und wir haben den Tag in  vollen Zügen genossen. Am letzten Tag wechselten sich dann wieder Sonne  und Regen ab und auch die Mücken waren wieder zahlreich vorhanden, aber  trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) war diese Tour einfach  unvergesslich.

Kanutour 1Kanutour 2Kanutour 3

 

Und weil ich schon mal so schön abseits der üblichen Touristenströme war, bin ich weiter nach Westen nach Manitoulin Island gefahren. Diese Insel liegt im Norden des Lake Huron und ist mit 2766  Quadratkilometern die größte Süßwasserinsel der Welt. Es gibt dort 108  Seen, innerhalb derer oftmals wiederum kleine Inseln liegen. Man findet  zahlreiche einsame und wunderschöne Buchten und erstaunlich vielseitige  Landschaften. So ungefähr jeder zweite der etwa 12600 Einwohner gehört  zur “First Nation”, wie sich die kanadischen Indianer bevorzugt  bezeichnen, wodurch sich gerade dieser Ort eignet, um nicht nur etwas über Indianer sondern es auch von Indianern zu lernen.

Eine grosse Hilfe hierbei ist Great Spirit Circle Trail, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Touristen die Kultur der  Indianer dieser Gegend näher zu bringen. Dabei werden angebotene Touren, Workshops und ähnliches grundsätzlich von Indianern geleitet, die auf  Manitoulin Island aufgewachsen sind. Somit ist das, was man hier über  die Geschichte und Kultur der Ureinwohner dieser Insel erfährt, nicht  nur aus irgendwelchen Büchern angelesen sondern das, was schon seit  Jahrhunderten von Generation zu Generation weiter gegeben wurde.

Manitoulin Island selbst bietet  verschiedene Museen und Sehenswürdigkeiten, allerdings sollte man hier  die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, da die Museen doch recht klein und die Sehenswürdigkeiten auch nicht sonderlich bombastisch sind. Dafür besticht die Insel allerdings durch seine verschiedenen Wanderwege. Die Wege sind durchaus gut gewartet und, da man immer den bunten  Markierungen in den Bäumen folgt, auch leicht zu finden. Allerdings sind sie nicht besonders rollstuhlgerecht.

Da geht es durch enge Felsspalten über schmale, steile Leitern, auf Knien durch niedrige Tunnel und über  große Felsbrocken, bei denen man besser nicht daneben tritt, weil man  sonst leicht in einer Felsspalte verschwindet.

schmale Leiterniedriger TunnelGrosse Felsbrocken

Bäume, die über den Weg gefallen sind,  werden auch nicht unbedingt gleich weggeräumt, da man ja die nächste  Markierung erkennen und somit weiter dem Wanderweg folgen kann. Aber  gerade das macht diese Wanderwege ja so interessant.

Der bekannteste dieser Wanderwege ist wohl der Cup & Saucer Trail. Dieser etwa 12 km lange Rundweg führt vorbei an 70 Meter hohen Klippen, von denen man einen wunderschönen Ausblick über die Insel hat.  Abgesehen von dem hierbei wirklich sehr interessanten “Adventure Trail”-Abschnitt hat mich besonders fasziniert, dass an den hohen  Klippen keinerlei Geländer oder Absperrung vorhanden ist. Wer möchte,  kann wirklich bis ganz vorne an die Kante gehen und den Ausblick geniessen. ... Wenn man dann sieht, wie anderenorts die Felsen zwar eine schöne Plattform bilden, diese Plattform aber eben nur eine relativ dünne Steinschicht ist, die nicht wirklich von Fels gehalten wird, fragt man sich zwar unweigerlich, ob der eigene Standort wohl stabil genug für das eigene Gewicht ist, aber mir wurde sehr glaubhaft versichert, dass erstaunlich wenige Abstürze tatsächlich vorkommen. Die Leute, die dort an den Klippen vorbei gehen, sind sich schlicht und ergreifend der Gefahr bewusst und passen dementsprechend auf, so dass Geländer oder Sicherheitsabstände zu den Klippenkanten nicht wirklich notwendig sind.

panoklein

 

Der Bridal Veil Falls Trail ist mit seinen 2,5 - 3 km, je nach dem, welche Wegabschnitte man kombiniert, eher kurz und auch nicht  besonders abenteuerlich. Er führt aber an einem hübschen kleinen  Wasserfall vorbei und befindet sich in der Nähe des kleinen Örtchens  Kagawong, welches man dann ja auch gleich besichtigen kann.

Bridal Veil

 

Am abwechslungsreichsten fand ich jedoch den Misery Bay Trail.  Dieser Wanderweg führt zunächst durch dichten Mischwald, dann öffnet  sich der Wald plötzlich und man steht vor einer flachen Bucht, der  Misery Bay, wo ein kleiner Sandstrand und erstaunlich viele Wasservögel  zu finden sind. Zurück geht es dann durch einen Wald mit vielen  Lichtungen, bei denen der Boden teilweise sehr felsig ist, wo aber,  gerade als ich da war, ganz viele Blumen blühten.

Misery Bay 1Misery Bay 2Misery Bay 3

 

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auf Manitoulin Island genügend, so dass für so gut wie jeden Geschmack etwas Passendes dabei sein sollte.  TipiEs gibt direkt am Wasser gelegene Ressorts, wo kaum Wünsche unerfüllt  bleiben, aber auch einfache Bed & Breakfast Angebote oder rustikale  Blockhütten. Ich habe es aber vorgezogen, im Tipi zu übernachten, auch wenn ich weiß, dass diese Tipis nur für Touristen in so gut wie jedem Garten zu finden sind. Die ersten zwei Nächte waren auch leider mächtig kalt (nachts 2°C und tagsüber üppige 4°C mit teilweise Schneeregen und das Anfang Juni)  und zunächst war ich in einem Tipi, wo leider kein Feuer im Zelt gemacht werden konnte, aber innerhalb einer Woche kletterten die Temperaturen  Zaawmiknaangauf nachts 16°C und tagsüber sogar knapp 30°C und da war es gerade im  Tipi absolut klasse. Vor allem die letzte Nacht, die ich bei Martina Osawamick von  Zaawmiknaang verbracht habe. Martina veranstaltet nicht nur Workshops  für traditionelle Küche, sie unterrichtet auch die Sprache der  Anishnaabe (auf Manitoulin Island ansässige Indianer). Sie hatte sogar - extra für mich - eine Freundin eingeladen, die begleitet von einer  Handtrommel für mich singen sollte. Da diese Freundin aber leider nicht  auftauchte, dafür aber zwei von Martinas Schwestern, sind diese spontan  eingesprungen und wir haben einen wunderschönen Abend verbracht und noch bis tief in die Nacht über die Kultur der Anishnaabe gesprochen.

 

Aber leider geht auch so eine schöne Zeit, wie die, die ich auf  Manitoulin Island verbracht habe, mal zu Ende. Mit der Fähre ging es  zunächst nach Tobermory und von dort weiter nach - oh Kulturschock!!! - Niagra Falls. Dieser Ort ist alles, aber ganz bestimmt nicht abseits der üblichen Touristenströme. Die Niagarafälle sind beeindruckend und es war schön, das alles mal gesehen zu haben (wo ich schon mal gerade in der Gegend  war), aber irgendwie habe ich mich doch ein wenig nach der beschaulichen Ruhe und dem Frieden von Manitoulin Island zurückgesehnt.

Niagra Falls 1Niagra Falls 2

 

Und genau diesen Frieden sollte ich noch einmal auf dieser Reise  erleben. Etwas südöstlich von Toronto liegt ein kleiner Ort namens  Brantford. Bei meiner Suche nach Alternativen zu der leider nicht mehr  angebotenen “Ab-Ins-Reservat-Tour” war ich auf ein Angebot gestossen, wo man drei Tage mit dem Kanu über einen Fluss in der Nähe von eben diesem Örtchen Brantfort führt und dabei eine Nacht in einem nachgebauten  Langhausdorf namens Kanata Village übernachtet. Als ich diese Tour allerdings buchen wollte, wurde mir mitgeteilt, dass sich die  Organisatoren mit der Gemeinde gestritten und nun den Betrieb vorerst  auf unbestimmte Zeit eingestellt hätten. Es wisse aber niemand, wann  eventuell doch wieder eröffnet würde. Also bin ich mal versuchsweise  doch hingefahren, zwar nicht mit einer Kanutour aber das Langhausdorf  kann ja auch so interessant sein. Es war noch nicht wieder eröffnet,  aber das war wohl das Beste, was mir passieren konnte. Im Pallisadenzaun war nämlich ein Loch, so dass ich bequem auf das Gelände konnte.  Langhaus, Schwitzhütte, Trockenständer und ähnliches waren noch da,  Dekorations- und Gebrauchsgegenstände natürlich nicht. Dafür war das  Gras teilweise hüfthoch gewachsen und ich konnte das Gelände ganz für  mich alleine geniessen und alle Eindrücke in Ruhe aufnehmen.

Kanata Village 1Kanata Village 3Kanata Village 4

Kanata Village 5Wobei - so ganz alleine war ich gar nicht. Ein Fuchs hat mich nämlich die ganze Zeit beobachtet.

Er liess mich bis auf ca. 6 - 7 m heran kommen, dann verschwand er, allerdings ohne mich dabei aus den Augen zu  lassen. War ich seiner Meinung nach zu lange in einem Gebäude verschwunden, kam er mal gucken, als wollte er sagen “Was willst Du  hier? Das ist mein Revier.” So ging das mehrere Male und ich kam mir  schon langsam vor wie Kevin Kostner in “Der mit dem Wolf tanzt”, nur  dass es in meinem Fall kein Wolf sondern ein Fuchs war. Aber irgendwann  hatte ich dann doch genug Eindrücke gesammelt und bin -  höchstwahrscheinlich zur grossen Freude des Fuchses - wieder zurück nach Toronto und von da aus nach Hause gereist.

Und wer gerne noch mehr Fotos davon sehen möchte, hier gibt es ein entsprechendes Album.

 

webdesign B. Butzek