Navbutton EndrauteNavbutton Home1Navbutton EndrauteNavbutton Indianer1Navbutton EndrauteNavbutton Reisen1Navbutton EndrauteNavbutton KreativesNavbutton EndrauteNavbutton Webdesign1Navbutton EndrauteNavbutton ShopNavbutton EndrauteNavbutton Kontakt1Navbutton Endraute

Futelgrafik 


Shawnees

Die Shawnees gehören mit zu der großen Sprachfamilie der Algonquin und ihr Name ist abgeleitet von dem Algonquin-Wort „Shawunogi“, welches „die im Süden Lebenden“ bedeutet. In den meisten Büchern wird als Heimat der Shawnees das Gebiet des heutigen Ohio angegeben. So größenordnungsmäßig ab dem Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts ist das auch richtig. Vorher jedoch hatten die Shawnees, nach Angaben ihrer eigenen Historiker, eigentlich gar keine richtige Heimat. Die gesamten Nationen der Sprachfamilie der Algonquin kommen ursprünglich irgendwo aus der östlichen subarktischen Region des heutigen Kanadas. Jagd- und Angelpraktiken lassen darauf schließen, dass die ersten Algonquin aus der Umgebung des Lake Winnipeg stammten und man nimmt an, dass die Shawnees eine der ersten Gruppen waren, die Richtung Süden zogen. Wann das genau war und wie lange sie für diese Migration gebraucht haben, lässt sich heute schwer sagen. Fest steht allerdings, dass sie viel und weit umhergezogen sind und ihr Wirkungskreis sich von Illinois bis Pennsylvania und von Tennessee bis Wisconsin zog.

Shawneeterritorium

Diese Gebiete waren eigentlich die Heimat anderer Stämme, wie den Huronen, den Eries, den Susquehannock, den Lenni Lenape (besser bekannt als Delawaren), den Miamis und vielen anderen Stämmen in der Gegend der westlichen Großen Seen. Zwischen diesen Stämmen und vor allem auch mit den nordöstlichen Stämmen wie den Oneida, Onondonga, Mohawk, Senaca und Cayuga wurden jedoch immer wieder die unterschiedlichsten Rivalitäten ausgetragen. Bestanden zwischen den Shawnees und den erstgenannten Stämmen immer gute Beziehungen, so waren die Beziehungen zu den nordöstlichen Stämmen - warum auch immer - weniger gut. Diese wurden von den Shawnees immer wieder so heftig attackiert, dass sie sich letztendlich zu einer Konföderation zusammenschlossen, die als „Iroquois League“ oder „Five Nations“ bezeichnet wurde (siehe dazu auch hier).

Die Shawnees waren dafür bekannt, hervorragende Krieger und wahre Meister der strategischen Kriegsführung zu sein und schlicht und ergreifend unbändigen Spaß am Kämpfen zu haben. Deshalb wurden sie immer wieder mal von dem einen mal von dem anderen Stamm eingeladen, auf deren Gebiet zu leben und im Gegenzug dafür den gastgebenden Stamm gegen mögliche Angriffe der anderen zu schützen bzw. ihre eigenen Beutezüge in die Gebiete der Gegner der Gastgeber zu unternehmen. Hatten sich die Rivalitäten dann (zumindest vorübergehend) gelegt, zogen die meist sowieso eher ruhelosen Shawnees weiter und suchten sich neue „Gastgeber“. (Durch diese Art, als mehr oder weniger „mobile Einsatztruppe“ zu leben, hatten die Shawnees sehr weitläufige freundschaftliche Kontakte zu den unterschiedlichsten Stämmen, was später dann Tecumseh überhaupt erst die Möglichkeit gab, so viele Krieger aus so vielen verschiedenen Stämmen um sich zu scharen.) Erst Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts hatten die Shawnees das Bedürfnis nicht nur das Land befreundeter Stämme zu verteidigen sondern auch ihr eigenes Land zu besitzen. Dadurch, dass sie gegen Ende des 17. Jahrhunderts den Miamis geholfen hatten, als diese sowohl vom Westen her von ihren Todfeinden, den Sioux, als auch von Osten her von den Iroquois angegriffen wurden, und sie damals auch keine Gegenleistung dafür verlangt hatten, schuldeten ihnen die Miamis Anfang des 18. Jahrhunderts noch einen Gefallen. Den Miamis gehörte damals ein Gebiet im heutigen Ohio, welches sie selbst nicht mehr bewohnten und sie hatten die Shawnees schon öfter eingeladen, dort als Gäste der Miamis zu leben. Und nun wollten die Shawnees genau dorthin, aber eben nicht als Gäste sondern als rechtmäßige Eigentümer dieses Landes. Die Miamis fürchteten zu dieser Zeit, von europäischen Einwanderern immer weiter von ihren Gebieten verdrängt zu werden und fanden die Idee, die kampferprobten Shawnees zwischen sich und den Europäern zu haben durchaus verlockend und haben deshalb tatsächlich das Land im Westen des heutigen Ohio, das heutzutage in den Lehrbüchern oft als ursprüngliche Heimat der Shawnees angegeben wird, an die Shawnees abgetreten.

 

Und wie haben die Shawnees gelebt?

Da fange ich doch am besten mal mit der Kindheit an: Wurde ein Kind geboren, vergingen üblicher Weise 10 Tage, bevor das Kind einen Namen erhielt. Besondere Ereignisse oder ungewöhnliche Verhaltensweisen des Kindes innerhalb dieser 10 Tage bestimmten dann oftmals seinen Namen. So entstanden dann Namen wie Tecumapese (Sternschuppe), Shemeneto (schwarze Schlange), Methotasa (Schildkröte, die ihre Eier in den Sand legt) aber auch Lowawluwaysica (Schreihals - wobei in diesem Fall wohl die etwas freiere Übersetzung „Jammerlappen“ etwas besser trifft).

Während dieser 10 Tage hatte ein Kind auch noch keine Identität. Starb es innerhalb dieser Frist, wurde nur der Körper ohne formelles Begräbnis entsorgt und so gut wie gar nicht getrauert. Eltern behinderter Kinder konnten diese innerhalb der 10-Tage-Frist abschieben, ohne dass man ihnen daraus einen Vorwurf machte. Hatte ein Kind jedoch die 10 Tage überlebt und einen Namen erhalten, wurde es bestens versorgt und betreut.

Da Shawnees eigentlich immer irgendwo an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt waren, war auch das ganze Leben ziemlich stark auf solche Auseinandersetzungen ausgerichtet. Als eine der größten Tugenden galt deshalb die Selbstkontrolle. Lautstarkes Äußern von Ärger, Frust oder Schmerzen wurde nicht nur nicht gerne gesehen, es galt als absolut unehrenhaft. Hinzu kam, dass laute Menschen ja auch Jagdbeute verscheuchen bzw. im Falle eines Angriffes Verstecke verraten konnten. Deshalb lernten die Kinder der Shawnees schon extrem früh, leise zu sein. Dabei wurde aber nicht Fehlverhalten bestraft sondern erwünschtes Verhalten wurde gelobt und belohnt. Um Babys wurde sich sofort gekümmert und sie wurden meist gefüttert, lange bevor wirklich Hunger auftrat. Hörten sie trotzdem nicht auf zu quängeln, stellte man sie abseits ins Gebüsch (vorausgesetzt, dass dies gerade keine Gefahr für das Kind bzw. die anderen Shawnees bedeutete) und ließ sie schreien, damit sie lernten, dass solch ein Schreien nicht hilfreich ist.

Ansonsten gab es im Leben der Shawnees nicht allzu viele Regelungen. Jeder tat das, was er wollte, wann er es wollte und in dem Tempo, welches er für richtig hielt. Und trotzdem wurden alle notwendigen Arbeiten zeitgerecht erledigt. Nicht weil die anfallenden Aufgaben entsprechend verteilt wurden, sondern weil es immer jemanden gab, der sie genau in diesem Moment erledigen wollte. Dabei machten auch die Kinder keine Ausnahme. Schließlich wurden sie für ihre Hilfe auch immer wieder gelobt. Und das nicht nur von den eigenen Eltern sondern auch von anderen Dorfbewohnern. Wollten Eltern, dass Kinder gewisse Aufgaben erfüllten, so sagten sie so etwas wie „Ich frage mich, ob es irgendwo ein Kind gibt, was so etwas tun würde...“ und im Normalfall gab es dann gleich mehrere, die sich darum rissen, diese Aufgabe zu erfüllen. So war es dann auch nicht selten, dass andere, die das helfende Kind beobachtet hatten, so etwas sagten wie „zu wem gehört denn das Kind, das das so schön macht?“. Machte ein Kind etwas falsch sorgten Sätze wie „Oh wie traurig, dass mein Kind so etwas schlechtes gemacht hat. Ich hoffe ehrlich, dass das nie wieder passiert.“ dafür, dass solches Fehlverhalten nie wieder geschah. Somit war es auch nicht notwendig, Kinder zu bestrafen oder Strafen auch nur anzudrohen. Die Kinder waren stolz, die Wünsche ihrer Eltern erfüllen zu dürfen.

Fehlverhalten von Erwachsenen wurde dagegen durchaus bestraft. Die Shawnees kannten zwar nie so etwas wie ein Gefängnis, aber je nach Schwere des Fehlverhaltens gab es trotzdem eine Reihe unterschiedlicher Strafen. Das Wort des Häuptlings war Gesetz (und die Shawnees hatten im Gegensatz zu manch anderen Stämmen tatsächlich einen richtigen Häuptling). Und wer sich ihm oder dem was man unter ehrenhaftem Verhalten verstand, fortgesetzt widersetzte, musste mit Strafen angefangen von einer Tracht Prügel bis hin zur Todesstrafe rechnen. Wer eine solche Strafe nicht akzeptierte und “wie ein Mann” ertrug, wurde unwiderruflich aus dem Stamm ausgeschlossen, wobei der Tod da oftmals die angenehmere Variante war. Frauen wurden dabei nicht weniger bestraft als Männer und eines der wohl größten Vergehen, das eine Frau begehen konnte, war, vorsätzlich über andere Leute Lügen zu verbreiten, um diesen zu schaden.

Wer nicht gerade mit den saisonbedingten Hauptaufgaben wie der Jagd, der Zuckerherstellung, dem Anbau von Feldfrüchten bzw. deren Ernte, Streifzügen für Überfälle oder tatsächlichem Krieg beschäftigt war, genoss meistens die angenehmen Seiten des Lebens: Jeder kam und ging wann er wollte, aß wann und soviel er wollte, trank mit Ahornzucker stark gesüßte Schokolade, wettete bei den unterschiedlichsten Würfel- oder Kartenspielen (Dinge, die sie immer wieder von Händlern europäischer Herkunft erhielten), spielte verschiedene Spiele angefangen von einer Art „Klickern“ (nur dass sie dazu keine Murmeln sondern ihre Messerscheiden benutzten) bis hin zu dem äußerst komplexen „Sheqounurah“ (eine Art dreidimensionale Kreuzung aus Schach, Shogun und Backgammon) oder beschäftigten sich mit einer Art „Theateraufführung“, wobei solche Theaterspiele sowohl sehr dramatisch als auch locker lustig wie ein Musical sein konnten. Sie arbeiteten mit Perlen, entwarfen künstlerische Ornamente, fertigten Bänder und Gürtel aus Muschelperlen (Wampums), sangen klangvolle Lieder (sowohl solo als auch im Chor, teilweise a capella aber auch begleitet von verschiedenen Instrumenten), erzählten sich Geschichten oder tanzten einen der fast unzähligen unterschiedlichen Tänze. Wer wollte, beschäftigte sich in den verschiedensten sportlichen Aktivitäten angefangen von einfachen Rangeleien bis hin zu einem Ballspiel ähnlich dem Lacrosse jedoch deutlich kämpferischer und kriegerischer, wobei dann auch ernsthafte Verletzungen bis hin zum Tod auftreten konnten. Oder man verkleidete sich als seltsame Tiere und zog einfach durch das Dorf, um andere zu erschrecken. Man fertigte Pfeil- und Speerspitzen, schnitzte Pfeile, Speere oder Bögen, reparierte Waffen oder abgenutzte Werkzeuge oder besuchte Nachbarn, um die neuesten Geschichten auszutauschen oder einfach nur zu quatschen. Sie bemalten Lederstücke mit Zeichnungen über Geschichten von Jagden oder Schlachten, spielten mit den Kindern, schnitzten Figuren aus Holz oder Ton, spielten verschiedene Instrumente wie Hörner, Trommeln, verschiedene Flöten, Kürbisrasseln aber auch (durch Handel oder bei Überfällen „erworbene“) Mundharmonikas oder Fiedeln. - Kurz gesagt, jeder tat einfach das, wonach ihm gerade der Sinn stand.

Und so gab es für die Shawnees immer wieder Zeiten, in denen sie durchaus dem „Hollywood“-Bild des stoischen Indianers, der alles ohne eine Miene zu verziehen erträgt und grundsätzlich keine Schmerzen kennt, entsprachen (halt immer, wenn es darum ging seinen Mut und seine Stärke zu beweisen), aber es gab auch immer wieder Zeiten, in denen sie ganz anders waren und ihr Leben in vollen Zügen und mit allen Sinnen genossen, lachten und einfach nur Blödsinn machten. Dazu gehörte auch, dass sie durchaus offen zeigten, wenn ihnen jemand sympathisch war. Da war es nicht selten, dass auch zwei Männer, die nicht unbedingt zur selben Familie gehörten, Hand in Hand spazieren gingen ohne deswegen gleich schwul zu sein. Schief angesehen wurden sie deshalb nur von weißen Siedlern. Unter den Shawnees war das völlig normal.

Als erwachsen galt ein Mädchen, wenn sie das erste Mal ihre Periode hatte, ein Junge meist im Alter von etwa 12 Jahren. .Ab dann durfte er andere Männer auf ihren Streifzügen begleiten, hatte aber den Anordnungen des Anführers dieser Streifzüge Folge zu leisten und musste sich das Recht, Streifzüge auf eigene Verantwortung zu unternehmen, erst verdienen. Hatte er sich dieses Recht verdient, so stieg er auch im Rang der Gesellschaft der Shawnees auf und durfte von nun an an jeder Beratung, die irgendwo zwischen Shawnees gehalten wurde, teilnehmen und dort auch sprechen. Besonders interessant war dies natürlich für Beratungen über Dinge, die die ganze Nation der Shawnees betrafen. Als Kennzeichen, dass jemand einen solchen Rang innehatte, durfte dann auch ein Medaillon aus Messing, an dem eine oder zwei Adlerfedern mit ihren Federkielen befestigt waren, kurz oberhalb des Ohres getragen werden.

Manchmal gab es auch Frauen, die an solchen Streifzügen teilnahmen und sie gegebenenfalls sogar anführten. Ein Beispiel hierfür war Ende des 18. Jahrhunderts eine Frau namens Nonhelema (auch bekannt als „The Grenadier Squaw“), die sich aufgrund ihrer überragenden Körpergröße, Stärke und Kampfkraft einen Namen gemacht hatte und sogar Anführerin einer eigenen kleinen Dorfgemeinschaft war.

Ansonsten waren Frauen allerdings hauptsächlich dafür zuständig, Kinder zu versorgen und zu erziehen, landwirtschaftlich genutzte Felder zu pflegen und die Ernte einzubringen und überhaupt alle anfallenden Aufgaben des Haushaltes zu erledigen.

Wie bereits erwähnt, kannten die Shawnees viele verschiedene Tänze für die unterschiedlichsten Gelegenheiten. So gab es z.B. auch einen recht ausgelassenen Tanz für unverheiratete Männer und Frauen. Dabei kamen praktisch alle jungen Männer und Frauen des Dorfes aber auch Gäste anderer Dörfer, die gerade zu Besuch waren, zusammen und bildeten einen Kreis um das Feuer. Die Männer standen zunächst so hintereinander, dass sie jeweils den Rücken des vor ihm stehenden Mannes ansehen konnten, woraufhin sich die Frauen so zwischen die einzelnen Männer verteilten, dass jede den Rücken des Partners ihrer Wahl vor sich hatte. Die Männer hielten Ihre Hände hinter dem Rücken verschränkt und die jeweilige Frau dahinter nahm diese Hände in die ihren. Dabei hielt sie auch ein Tuch fest und zwar so, dass sie die Hände des Mannes nicht wirklich berührte sondern dass immer auch das Tuch dazwischen war. Berührten sich die Hände trotzdem ohne das Tuch, galt dies als Zeichen, dass die Frau den Mann mochte und womöglich sogar liebte. Mit Einsetzen der Musik von Trommeln, Rasseln und erstaunlich melodischem Gesang begannen dann auch die Männer und Frauen langsam im Kreis um das Feuer zu tanzen. Nahm eine Frau, die die Hände des vor ihr befindlichen Mannes ohne Tuch berührte, diese Hände nun etwas hoch und beugte sich selbst so weit hinunter, dass ihre Wangen einen Moment lang zwischen diesen Händen waren, hieß dies, dass sie ihn als ihren festen Freund ansah. Ging sie sogar noch einen Schritt weiter und drehte den Kopf zunächst nach links und dann nach rechts und drückte dabei ihre Zunge in seine Handflächen, war dies das Zeichen, dass sie bereit war, seine Frau zu werden, wenn er sie denn auch haben wollte.

Nach Beendigung eines solchen Tanzes hatten beide Tanzpartner 10 Tage Zeit, sich die Sache mir der Heirat nochmal zu überlegen. Waren aber beide auch nach dieser 10-Tage-Frist entschlossen zu heiraten, wurde ein „Hochzeitstanz“ veranstaltet. Dazu betraten zunächst 20 junge Männer (inklusive Bräutigam) die Tanzfläche und stellten sich in einer Reihe auf. Sie waren barfuß und trugen ansonsten Kleidung aus Rehfellen, die so lange in der Sonne gebleicht worden waren, dass sie nun fast weiß waren, und die mit aufwendiger Perlenstickerei mit eingearbeiteten Federn, Muscheln und Stachelschweinborsten, verziert waren. Diejenigen, die lange Haare hatten, trugen sie offen, ohne jeglichen Schmuck aber so lange gekämmt, bis sich der Schein des Feuers in ihrem Glanz spiegeln konnte. Andere hatten den Kopf abgesehen von relativ kurzem Haar am Scheitel und eventuell an den Schläfen rasiert (also so ähnlich wie der berühmte „Irokesenschnitt“), und trugen auch diese Haare völlig ohne jeglichen Schmuck. Niemand trug irgendwelche Ketten oder Halsbänder aber alle hatten Armreifen und Oberarmreifen aus Silber und Bänder mit bemalten Muscheln um die Knöchel, die bei jedem ihrer Schritte rasselten. Dann betraten ebenso viele Frauen (inklusive der Braut) die Tanzfläche und stellten sich ein paar Schritte von den Männern entfernt so auf, dass jede den Mann ihrer Wahl vor sich hatte. Auch sie waren barfuß und trugen reich verzierte, knielange Kleider aus gebleichten Rehfellen und hatten die meist hüftlangen Haare ebenfalls offen und glänzend gekämmt. Hin und wieder schüttelten sie sich so kräftig, dass die Haare flatterten und sich die Konturen ihrer Körper unter der Kleidung abzeichnete. Dazu stampften sie mit den Füßen, so dass aufgrund der auch von ihnen getragenen rasselnden Muschellbänder an den Knöcheln so etwas wie Musik entstand. Zusätzlich wurden sie begleitet von einer Gruppe Musiker mit Trommeln, Rasseln und verschiedenen anderen Instrumenten, so dass sich ein gleichmäßiger, erstaunlich melodischer Rhythmus bildete. Dann begann ein älterer Mann aus den Zuschauern ein ziemlich monotones „Lied“ bei dem es zwar Worte gab, diese Worte so aber meist nicht wirklich Sinn ergaben. Zu diesem „Lied“ tanzten die sich gegenüberstehenden Männer und Frauen vor und zurück, wobei sie die Hände auf dem Rücken verschränkt hatten und sich allmählich näher kamen. Wenn sie nur noch ein paar Handbreit voneinander entfernt waren, stimmten zunächst die Frauen und dann die Männer mit in den „Gesang“ ein. Standen sie so dicht, dass sie sich berühren konnten, drückten sie die Oberkörper aneinander und flüsterten sich abwechselnd Komplimente zu. Dabei vergaßen sie meist völlig die anderen Tänzer und Zuschauer um sie herum und konzentrierten sich nur noch auf ihren jeweiligen Tanzpartner und die immer schneller werdenden Musik. Irgendwann wurde die Musik innerhalb weniger Schläge langsamer. Da die jeweiligen Tanzpartner bis dahin sich schon ziemlich fest und leidenschaftlich aneinanderdrückten, kamen nun auch meist die Hände ins Spiel. Zum einen um sich gegenseitig festzuhalten und nicht gemeinsam umzufallen, zum anderen aber auch, weil sie so in ihren jeweiligen Tanzpartner vertieft waren, dass es meist schwer fiel, die Finger noch bei sich zu halten. Wenn nun einer der Brautleute schwieg oder nur so etwas wie „schöner Tanz“ sagte, ging man auseinander, war nicht verheiratet und niemand war dem anderen böse. Waren beide aber immer noch fest entschlossen, zu heiraten, dann sagten sie „Du bist meine Frau“ und „Du bist mein Mann“ und somit war die Hochzeit vollzogen.

Da die Shawnees eher patriarchalisch orientiert waren, folgte bei ihnen die Frau nach der Heirat ihrem Mann in dessen Wegiwa, eine kuppelförmige Konstruktion aus starken Ästen, die mit Baumrinde, meist Ulme oder Birke, bedeckt war. Im Dach gab es Löcher, aus denen der Rauch des ständig brennenden Feuers abziehen konnte, und an den Wänden gab es, ähnlich wie bei den großen Langhäusern anderer Stämme, regalartige Konstruktionen, wo u.a. Vorräte und Gebrauchsgegenstände gelagert wurden. Jede Familie hatte ihr eigenes Wegiwa. Nur wenn ein Familienvater verstarb, wurde der Rest seiner Familie so lange von einer anderen Familie aufgenommen, bis die Söhne eigene Familien gründeten, die Töchter heirateten und damit in das Wegiwa ihres Ehemannes umzogen bzw. die Witwe des Verstorbenen einen neuen Mann heiratete und somit gleich mit allen ihren unverheirateten Kindern zu diesem neuen Mann zog. Bis dahin jedoch betrachteten die Kinder des Verstorbenen den sie aufnehmenden Familienvater als eine Art Ersatzvater und auch er behandelte sie wie seine eigenen Kinder, obwohl meist jede der ursprünglichen Familien innerhalb des Wegiwas ihren eigenen Bereich hatte. Die Shawnees lebten monogam, so dass der aufnehmende Familienvater zwar die Kinder wie seine eigenen behandelte, die Witwe damit aber nicht unbedingt auch seine Ehefrau wurde.

Wie bereits erwähnt, sind die Shawnees durchaus viel und gerne umhergezogen. Dabei waren sie aber weder Nomaden ähnlich den Apachen, die je nach Jahreszeit einen anderen Lagerplatz hatten, noch waren sie so sesshaft wie z.B. die Huronen, die ihre Dörfer meist nur dann verlagerten, wenn an dem alten Standort der Boden zu sehr ausgelaugt war und somit der Ernteertrag nicht mehr zufriedenstellend war. Die Shawnees errichteten Dörfer, die durchaus mehrere Jahre am Stück bewohnt wurden, und verließen diese Dörfer, wenn ihnen nach Ortswechsel war und nicht unbedingt wegen der Bodenqualität. Dabei konnten die Dörfer dann zum Teil recht klein (ca. 50 - 60 Einwohner), teilweise aber auch erstaunlich groß (mit etwa 1000 Einwohnern und mehr) sein.

Der große Stamm der Shawnees unterteilte sich in fünf Clans: die Chalakatha, die Thawikila, die Mekoche, die Pekowitha und die Kispokotha. Jeder dieser Clans hatte seine eigene Hauptstadt, in der der Anführer dieses Clans wohnte, aber auch eine ganze Reihe anderer kleinerer Dörfer, die jeweils von einem Anführer für dieses Dorf geleitet wurden. Zusätzlich gab es dann noch einen übergeordneten Häuptling, dem die gesamte Gemeinschaft aller Shawnees unterstellt war.

Jeder der fünf Clans hatte seine eigenen Aufgaben für die Gesamtheit der Shawnees. So waren die Chalakatha und die Thawikila beide zuständig für die politischen Belange, die den ganzen Stamm betrafen, und für alles, was die Beziehungen der Shawnees mit anderen Indianerstämmen betraf. Die Aufgaben der Mekoche lagen im Bereich Gesundheit und Medizin, die Pekowitha kümmerten sich um die spirituellen Dinge und die Kishpokotha stellten die meisten Krieger. Somit konnte sich ein übergeordneter Häuptling natürlich im Normalfall nur entweder aus den Chalakatha oder den Thawikila rekrutieren, wogegen ein Anführer in Kriegsfragen hauptsächlich von den Kishpokotha gestellt wurde. Ein solcher Kriegsanführer konnte zwar nie Anführer aller Shawnees sein, jedoch war seine Macht und sein Ansehen kaum niedriger als das des Anführers aller Shawnees. (Die Zuständigkeiten der einzelnen Clans und deren Mitglieder wurden allerdings manchmal auch flexibel gehandhabt. So wurde z.B. der gebürtige Kishpokotha, der später als Tenskwatawa berühmt wurde, kein Krieger sondern Medizinmann und Prophet.)

Dadurch, dass jeder Clan seine eigenen Belange durchaus autark regelte, konnte es auch vorkommen, dass bei manchen Auseinandersetzungen der eine Clan der einen Partei half, ein anderer Clan jedoch die Gegenseite unterstützte und man sich somit im Kampf als Shawnee plötzlich einem anderen Shawnee gegenüber sah. Irgendwie haben sie es jedoch immer wieder geschafft, dass dies die Beziehungen der Shawnees untereinander nicht belastet hat und man bei späteren Auseinadersetzungen auch wieder Seite an Seite kämpfen konnte.

Ernährt haben sich die Shawnees von allem, was sie jagen konnten, angefangen von Truthähnen, Moorhühnern, Kaninchen, Eichhörnchen, Waschbären, Opposums und ähnlichen Kleintieren über die verschiedensten Arten von Wild bis hin zu Bären und Büffeln, wobei diese Büffel allerdings Waldbüffel waren, die etwas kleiner sind als die aus Film und Fernsehen so bekannten Büffel der Prärie und auch in weitaus kleineren Gruppen zusammenleben als ihre Verwandten der großen Ebenen. Außerdem bauten die Shawnees unterschiedliche Gemüsesorten, hauptsächlich aber Mais und Kürbis an.

Als durchaus kampfbegeisterte Nation wurden nicht selten Gefangene mit ins Lager gebracht. Aber auch, wenn sie im Kampf normalerweise unerbittlich waren, die Behandlung ihrer Gefangenen richtete sich stark nach deren Alter, Geschlecht und den Umständen, unter denen diese gefangen genommen worden waren. So wird z.B. berichtet, dass sie eine Expeditionsgruppe europäischer Einwanderer gefangen genommen haben, die von Daniel Boone angeführt wurde. Sie haben die Weißen gezwungen, ihnen alle ihre Lagerplätze zu zeigen, wo sie alle Besitztümer entweder beschlagnahmten oder zerstörten. Dann ließen die Shawnees die Gefangenen wieder frei (unverletzt) und gaben jedem von ihnen ein Paar Moccasins, ein Gewehr und ein Rehfell, damit sie ihren Heimweg überleben konnten (Die Weißen waren allerdings nicht wirklich positiv beeindruckt sondern eher wütend, dass sie eines Landes verwiesen wurden, was ihrer Meinung nach gar nicht den Shawnees gehörte.)

Andere Gefangene wurden mit ins Dorf genommen und mussten dort einen „Gassenlauf“ absolvieren. Dazu stellten sich die Shawnees so in Doppelreihe auf, dass der Gefangene  in der Mitte der Doppelreihe durchlaufen konnte, welche etwa am Gemeindehaus des Dorfes endete. Je nach Dorfgröße konnte solch eine „Gasse“ dann mal nur ca. 20 Meter, in großen Dörfern aber auch bis zu 300 Metern lang sein. Nun kam es darauf an, welche spätere „Verwendung“ für den Gefangenen vorgesehen war. Sollte er (oder sie, da auch durchaus Frauen und Kinder solch einen Gassenlauf absolvieren mussten) später von einer Familie, die gerade ein Familienmitglied verloren hatte, adoptiert und somit in den Stamm aufgenommen werden, sollte ein Gottesurteil entscheiden, ob der Gefangene wieder freigelassen wurde, oder war der Tod des Gefangenen bereits beschlossene Sache? In jedem Fall hatten die Shawnees irgendetwas zum Schlagen in der Hand und benutzten dieses auch kräftig, während der Gefangene die Gasse entlang lief. Bei Kindern, Frauen und Älteren, die anschließend adoptiert werden sollten, konnte es durchaus sein, dass diese „Schlagwaffen“ nur aus dünnen Zweigen oder gar Federn bestanden, ansonsten war aber auch die Verwendung von Dornbuschästen, Schlagstöcken und teilweise sogar Tomahawks keine Seltenheit. So manch ein Shawnee war auch bei jemandem, der später adoptiert werden sollte, nicht zimperlich und so konnte es teilweise bei solchen Gassenläufen ziemlich brutal zugehen. So wurde z.B. auch 1771 der damalig 17-jährige Marmaduke Van Swearingen (nicht wirklich unfreiwillig) von dem Shawnee Pucksinwah und seinen Kriegern mitgenommen und musste eine solche Gasse entlang laufen. Van Swearing absolvierte diesen Lauf mit größtem Mut und Tapferkeit, wurde jedoch unterwegs bewusstlos geschlagen und brauchte vier Tage, um sich wieder halbwegs zu erholen. (Nachdem Van Swearing sich erholt hatte, wurde er von Pucksinwah adoptiert und er galt als vollwertiger Shawnee. Er hat sich sogar so in die Shawnees integriert, dass er Anführer des Mekoche Clans wurde und unter dem Namen Wehyahpihehrsehnwah, “Blue Jacket”, weil er am Tag seiner Gefangennahme eine blaue Jacke getragen hatte, in die Geschichte einging.)

Bei einem „Gottesurteil“ galt es, das Gemeindehaus zu erreichen. Wer trotz aller Schläge dorthin gelangte, war frei. Wer es nicht schaffte, aber noch lebte (im Eifer des Gefechts konnte es schon mal passieren, dass solch ein Schlag nicht nur zufällig irgendwelche Knochen sondern gleich den ganzen Schädel des Gefangenen brach), wurde entweder sofort an den Anfang der Gasse zurückgebracht und „durfte“ es nochmal versuchen, oder aber man päppelte ihn erst etwas auf und ließ ihn dann nochmal laufen. So manch einer hat dabei so viel Mut und Durchhaltevermögen bewiesen, dass er den größten Respekt der Shawnees gewann und dann doch auch adoptiert wurde.

Eine solche Adoption sah dann so aus, dass der zu Adoptierende zunächst komplett entkleidet und dann am ganzen Körper bunt angemalt wurde. Dann wurden einige dem Anlass entsprechenden Worte gesprochen, woraufhin drei Frauen den zu Adoptierenden in den Fluss begleiteten, wo sie ihn mit Sand und kleinem Kies gründlich sauber schrubbten. Damit sollte alles aus seinem früheren Leben als Nicht-Shawnee komplett weggewaschen werden. Dann wurde er in reich verzierte Kleidung aus Hischleder gesteckt. Das Gesicht wurde mit Linien und Punkten in hellen Farben bemalt und in die Haare steckte man eine metallene Scheibe mit daran befestigten Federn. Während der ganzen Zeit, die dieses Ausziehen,  Anmalen, Waschen, Anziehen und Wieder-Anmalen in Anspruch nahm, versammelten sich nach Möglichkeit alle im Dorf befindlichen Shawnees nach und nach im Gemeindehaus, rauchten und warteten auf den zu Adoptierenden, um dann mit ihm gemeinsam noch eine ganze Weile weiter zu rauchen. Danach wurde nochmals eine Ansprache gehalten und damit war der zu Adoptierende feierlich in die Gemeinschaft der Shawnees aufgenommen.

Leider hat das mit dem „Alles-Nicht-Shawneehafte-Auswaschen“ nicht immer so gut funktioniert, wie bei dem bereits oben erwähnten Wehyahpihehrsehnwah. Der ebenfalls oben bereits erwähnte Daniel Boone z.B. war schon mehrfach gefangen und entweder freigelassen worden oder er war geflohen. Immer wieder hatte er die unterschiedlichsten Expeditionen in das heutige Ohio aber vor allem in des heutige Kentucky geleitet und damit gegen die mit den Shawnees getroffenen Vereinbarungen verstoßen, dass kein Einwanderer europäischer Herkunft ohne ausdrückliche Erlaubnis der Shawnees (faire Händler waren durchaus gerne gesehen) diese Ländereien betreten, dort jagen und schon gar nicht siedeln durfte. Eines Tages wurde Daniel Boone von einigen Shawnees bei der Jagd überrascht und musste sich ergeben. Auf die Frage, für wen seine erstaunlich große Jagdbeute sei, antwortete er, dass sie für eines von drei nicht allzu weit entfernten Forts gedacht sei und er gleich für die Versorgung von alle drei Forts zuständig wäre. Während man ihn ins Lager der Shawnees brachte, erfuhr er, dass die Shawnees vorhatten, mindestens eins dieser Forts zu überfallen und dem Erdboden gleich zu machen. Um nun Zeit zu gewinnen, versprach er, wenn man die Bewohner des Forts weder Gassenlaufen ließ noch überhaupt tötete sondern statt dessen, an die Engländer in Detroit verkaufte, würde er die Bewohner des Forts überreden, sich kampflos zu ergeben, wodurch auch kein Shawnee der Gefahr ausgesetzt würde, bei solch einem Überfall getötet zu werden. Der damalige Häuptling der Shawnees, Chiungalla, stimmte zu und man brachte alle Gefangenen nach Detroit, um sie dort an die Engländer zu verkaufen. Dummerweise hatte Daniel Boone nicht verlangt, dass auch er, keinen Gassenlauf absolvieren müsse und somit ließ man ihn durchaus laufen. Allerdings rechnete man ihm zu Gute, dass er geholfen hatte, des Fort ohne jegliches Blutvergießen einzunehmen, so dass niemand ihn ernsthaft verletzte und Chiungalla ihn anschließend adoptierte in der Hoffnung, Daniel Boone würde nun genauso beherzt FÜR die Shawnees eintreten, wie er es bis dahin immer gegen sie getan hatte. Schließlich war ja in Chiungallas Augen alles, was vorher gegen die Shawnees gekämpft hatte, ausgewaschen worden. Daniel Boone jedoch wartete nur auf eine günstige Gelegenheit, wieder einmal zu entfliehen. Sah es zunächst noch danach aus, dass er sich hervorragend bei den Shawnees integrierte, so dass sie auch ihre Geheimnisse mit ihm teilten, war das wohl nur wohlgeplante Täuschung und er spionierte eigentlich nur die Pläne, wie die Shawnees gegen die ständig wachsende Zahl an Einwanderern vorgehen und diese ein für alle mal vertreiben wollten, aus, floh, verriet alles an eben diese Einwanderer und machte somit den ganzen Plan der Shawnees zunichte.

Aber auch, wenn nicht alle adoptierten ehemaligen Gefangenen die gleiche hochrangige Stellung wie Wehyahpihehrsehnwah erreichten, so blieben doch viele bei ihren Adoptivfamilien, auch wenn sie die Gelegenheit hatten, zu ihren leiblichen Familien zurückzukehren. Als die Briten z.B. 1764 verlangten, die Shawnees sollten alle Gefangenen ausliefern, haben sich viele der “Gefangenen” vor den “Befreiern” versteckt oder sind ihnen entflohen und wieder zu den Shawnees zurückgekehrt.

Allerdings ging es nicht immer allen Gefangenen so gut, wie denen, die adoptiert wurden. Vor allem feindliche Krieger erlitten oftmals einen langsamen und grausamen Tod. Wem von vorne herein die Todesstrafe drohte, der wurde zunächst, wie alle anderen auch, auf besagten Gassenlauf geschickt. Allein dabei wurde schon mächtig zugeschlagen, aber eigentlich versuchte man da noch, den Gefangenen „nur“ zu verletzen und nicht wirklich zu töten, weil dann wäre der Tod ja viel zu schnell eingetreten und man wollte ja durchaus mehrere Stunden seinen „Spaß“ an der Vollstreckung des Todesurteils haben. Lieber ließ man den Gefangenen unter heftigen Schlägen fast schon das Gemeindehaus erreichen, um ihn dann doch außer Gefecht zu setzen und die Gasse nochmal entlang laufen zu lassen (zur Not auch mit einer gewissen Pause, die zuweilen auch mehrere Tage dauern konnte, weil man ihn erst wieder so weit aufpäppeln musste, dass er einen weiteren Durchgang überhaupt antreten konnte). War man dann des Gassenlaufens überdrüssig, wurde der Gefangene am Marterpfahl (und hier trifft diese Bezeichnung exakt den Punkt) verbrannt. Ich glaube, eine genaue Beschreibung dessen, was sich dann über Stunden hinweg abspielte, erspare ich dem geneigten Leser an dieser Stelle besser. Aber auch, wenn diese Torturen äußerst grausam waren, so dienten sie nicht nur dazu, irgendwelche Rachegelüste zu stillen. Nach Ansicht der Shawnees wurde ein Mann, der solche Torturen tapfer ertrug, im nächsten Leben fürstlich belohnt. Und durch solch eine Marter hatte er nun ein letztes Mal die Gelegenheit zu zeigen, was für ein tapferer Krieger er war. - Und sind wir mal ehrlich, hatten wir in Europa nicht auch Zeiten beispielsweise mit Inquisition, Hexenverbrennung und ähnlichem? Sind die Europäer da mit ihren Opfern nicht mindestens ebenso brutal und menschenverachtend umgegangen? ... Ach, ich vergaß: Das war ja alles im Namen Gottes...

Aber auch unter den Shawnees gab es welche, die Mitleid mit den Opfern hatten und zumindest nach Möglichkeit schnell sterben ließen. Der wohl bekannteste unter ihnen war Tecumseh. Von klein an hat er sich nach Möglichkeit darum gedrückt, bei einem Gassenlauf überhaupt anwesend zu sein, oder aber er hat sich an das Ende der Gasse gestellt und gehofft, dass der Gefangene gar nicht erst bis zu ihm kam, damit er sich nicht vor den anderen blamierte, wenn er nicht richtig zuschlug. Später, als Anführer der verschiedensten Streifzüge, hat er sogar, als er einmal sah, wie ein Gefangener gefoltert wurde, maßlos wütend die anderen als Feiglinge, die sich nur gegen Hilflose wehren könnten, beschimpft und den Streifzug sofort abgebrochen. Auf dem gesamten Rückweg mussten daraufhin alle anderen hinter ihm reiten, damit er ihren Anblick nicht mehr ertragen musste.

Dadurch, dass die Shawnees eigentlich immer irgendwo in mehr oder weniger kriegerischen Auseinandersetzungen involviert waren, kam es natürlich häufiger vor, dass Krieger verletzt oder auch getötet wurden und ihre Familien somit ohne “Versorger” dastanden. Wurden Familien mit Kindern meist, wie oben beschrieben, komplett von einer anderen Familie aufgenommen, so wurde auch immer für Alleinstehende und ältere Menschen gesorgt. Wer nicht selbst jagen gehen konnte, für den brachten junge Männer einen Teil ihrer Jagdbeute mit. Ältere wurden nach Möglichkeit in das Familienleben der jüngeren, selbst wenn sie nicht blutsverwandt waren, miteinbezogen und diejenigen, die häufiger auf Streifzügen waren, aber keine Familie im Dorf mehr hatten, waren in den Wegiwas der anderen Familien meist gern gesehene Gäste. Somit bildete sich innerhalb einer Dorfgemeinschaft aber auch zwischen den verschiedenen Dorfgemeinschaften immer wieder ein intensives soziales Geflecht, in dem jeder einzelne Mensch geschätzt und sein Fehlen schmerzlich vermisst wurde. Deshalb trauerte auch meist mindestens das ganze Dorf, wenn nicht sogar der ganze Clan oder sogar der ganze Stamm der Shawnees beim Tod eines Einzelnen. Aus diesem Grund haben die Shawnees auch immer versucht, ihre Toten möglichst in deren Heimatdorf zurückzubringen und dort zu beerdigen.

Da die Shawnees an ein Leben nach dem Tod glauben, haben sie ihre Toten in möglichst gute Kleidung gesteckt und ihnen Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände für ihre “letzte Reise” mitgegeben. Dann versammelte sich die ganze Dorfgemeinschaft (und alle anderen, die von dem Toten Abschied nehmen wollten und deshalb gegebenenfalls extra angereist waren) und der Tote wurde mitsamt all der Dinge, die man ihm für die “Nachwelt” mitgegeben hatte, verbrannt und die Asche in alle Winde verstreut.

 

Arrowhead042R auf140 geändert

 

webdesign B. Butzek